Andreas S. Hennig

Besuch einer Schildkrötenstation in Sri Lanka

Der Süden Sri Lankas stellt mit seinen zahlreichen Küstenhotels das Zentrum der Touristenströme dar. Neben diversen Einrichtungen für die „touristische Kurzweil“ bieten auch einige Schildkrötenstationen mögliche Ausflugsziele.

Wir stießen eher durch Zufall auf eine solche Station: Nach einer umfangreichen Rundfahrt durch das ehemalige Ceylon mit seinen landschaftlichen und kulturhistorischen Reizen erholten wir uns in einem Strandhotel von den Strapazen. Unsere Herberge zeigte auf ihrem parkartigen Gelände auch Möglichkeiten, wie sich ein Hotel für den aktiven Schutz bestimmter Tiere einsetzen kann. In diesem Fall engagiert es sich für den Schutz der Seeschildkröten. Auch an Sri Lankas weitläufige Küsten kommen die Meeresreptilien, um ihre Eier abzulegen. Doch hier droht ihnen Gefahr durch den Menschen, der es hauptsächlich auf ihre Eier abgesehen hat. Letztere werden bei Händlern durch das Hotel aufgekauft, um sie im sonnenerwärmten (Hotel-)Sand ausbrüten zu lassen. Dazu werden die vergrabenen Gelege zusätzlich durch ein Gitter vor Fressfeinden geschützt. Dass dies wirklich notwendig ist, bewiesen die von uns beobachteten Bindenwarane und Mungos, die des Öfteren um die Schildkrötengelege und die Bassins mit den Schlüpflingen „herumschlichen“. Kleine Holzschilder mit Ablagedatum und Eianzahl markieren die einzelnen Gelege. Sind die kleinen Meeresschildkröten geschlüpft, werden sie zunächst – je nach Menge – in ein oder zwei betonierte Wasserbassins mit Meerwasser gesetzt. Hier bleiben sie bis zu drei Tage, ehe sie unter Einbeziehung der Hotelgäste in die offene See entlassen werden. Gepaart mit kleinen Vorträgen zum Schutz der Schildkröten werden so die weniger informierten Touristen aufgeklärt und für den Tier- und Naturschutz sensibilisiert.

So schlüpften innerhalb von drei Tagen etwa 200 Suppenschildkröten (Chelonia mydas), die in den oben genannten Wasserbehältern auf ihre „Entlassung“ in die Freiheit warteten. Und wieder entdeckten wir einen Bindenwaran, der um die Becken schlich, aber wegen der auf den Bassins montierten Gitterdeckel nicht an die begehrte Nahrung gelangte. Im nächsten Augenblick erschien ein Hotelgärtner, der die zahlreichen kleinen Schildkröten aus dem Wasser herausfing und in die mitgebrachten Körbe legte. Wir boten ihm unsere Hilfe an und fingen dutzendweise die Tiere heraus. Es war ein erhebendes Gefühl, die unzähligen Schlüpflinge „mit vollen Händen“ aus dem Becken zu fischen! Währenddessen kamen wir mit dem Gärtner ins Gespräch. Schnell erkannte er unser unverkennbares Interesse an diesen Reptilien und bot uns einen Ausflug zu einer Schildkrötenstation an. Wir vereinbarten einen Termin und zogen nun – mit übervollen Schildkrötenkörben – zu den anderen Hotelgästen am Strand und gewährten im Schein der Abendsonne den Panzerträgern den Weg ins Meer...

Zwei Tage später fuhren wir also zu dieser Station in die Nähe der Küstenstadt Galle. Die Station nannte sich Sea Turtle Protecting Association and Research Project. Im Moment unseres Eintreffens waren wir die einzigen Besucher in dieser Einrichtung und der Leiter führte uns persönlich durch das Gelände. Es bestand zum einen aus einem eingezäunten, gesicherten Strandabschnitt, der die vergrabenen Gelege enthielt, und dem Stationsabschnitt mit diversen Betonwasserbecken. Sie dienten hauptsächlich der Haltung von einigen adulten und auch jungen Meeresschildkröten. Darunter befand sich auch ein albinotisches Exemplar, das wegen dieser Hautveränderung „Heino“ genannt wurde (wie ich später erfuhr, hat wohl fast jede der existierenden Stationen ein solches Tier). Stattliche 25 kg schwer, stand ihm aber nur ein räumlich beengtes Becken zur Verfügung. Besser hatten es die jüngeren Schildkröten (bis etwa 15 cm Panzerlänge), die z. B. wegen Verletzungen in der Station untergebracht waren. Nach Besichtigung der einzelnen Wasserbecken wurde uns der Strandabschnitt mit den vergrabenen Eiern gezeigt (auch hier wurden die Eier vorher bei Fischern aufgekauft, um sie auszubrüten). Noch ehe wir uns versahen, grub unser „Führer“ ein Gelege aus: In der birnenförmigen Nistgrube kamen etwa 30 geschlüpfte Schildkröten zum Vorschein, die auf die Nacht warteten, um im Schutz der Dunkelheit zum Meer zu laufen.

Interessant waren aber auch die in einem Freilandterrarium gehaltenen Indischen Sternschildkröten (Geochelone elegans). Die fünfköpfige Zuchtgruppe soll lt. Aussage des Stationsleiters auch schon für Nachzuchten in der teilbeschatteten Anlage gesorgt haben. Zum Zeitpunkt unseres Besuches waren keine juvenilen Sternschildkröten zu sehen. In einem dem Freilandterrarium angeschlossenen Wasserbecken schwammen sechs adulte Schwarzbauch-Erdschildkröten (Melanochelys trijuga thermalis). Zudem befand sich im gleichen Teich eine juvenile Klappenweichschildkröte (Lissemys punctata punctata) mit 7 cm Carapaxlänge.
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