Andreas S. Hennig
Haltung und Zucht der Rotbauch-Spitzkopfschildkröte (Emydura subglobosa subglobosa)
Emydura subglobosa subglobosa (Krefft, 1876) ist ein dankbarer Pflegling, der seit vielen Jahren erfolgreich und regelmäßig zur Nachzucht gebracht wird. Die Haltungsansprüche sind auch von Hobby-Anfängern gut zu erfüllen, und nicht nur deswegen stellt die Rotbauch-Spitzkopfschildkröte eine Alternative zu den häufig im Handel angebotenen Schmuck- und Höckerschildkröten aus Nordamerika dar.
Beschreibung
Die Rotbauch-Spitzkopfschildkröte hat einen flachen braunen Rückenpanzer. Das rote Plastron ist im Bereich der Mittelnaht weißlich bis cremefarben. Die Weichteile sind hell- bis dunkelgrau. Ein breiter, weißlich gelber Streifen führt von der Nasenspitze am Auge entlang bis in Schläfenhöhe. Der Oberkiefer ist hell abgesetzt, der Unterkiefer rot gefärbt. Vor allem bei Männchen sieht man auf der Haut rötliche Punkte. Deren Intensität kann variieren, und insbesondere während der Paarungszeit sind sie sehr auffällig. Emydura subglobosa kann im weiblichen Geschlecht bis zu 26 cm Carapaxlänge erreichen; Männchen bleiben kleiner. Die meisten adulten weiblichen Exemplare, die ich sah oder selbst pflegte, maßen aber in der Regel maximal 20-22 cm, die geschlechtsreifen Männchen hatten Carapaxlängen von etwa 16-18 cm. Die Geschlechter lassen sich beim Vergleich der Schwänze sehr gut und einfach unterscheiden: Männchen besitzen einen überdeutlich langen und dicken Schwanz, bei den großen und bullig wirkenden Weibchen ist dieser ausgesprochen kurz und relativ dünn.
Verbreitung und Lebensraum
Das Verbreitungsgebiet der Rotbauch-Spitzkopfschildkröte befindet sich in Papua-Neuguinea, in Westpapua (Irian Jaya, Indonesien) und auf der zu Australien gehörenden Halbinsel Cape York. In Westpapua und Papua-Neuguinea besiedelt sie das südliche Tiefland dieser Region. Dort wurden auch die ersten Exemplare dieser Art entdeckt. Erst in den 1970er-Jahren wurde Emydura subglobosa erstmals auf dem australischen Kontinent gesammelt – auf der im Norden des Kontinents liegenden Halbinsel Cape York. Sie lebt in Flüssen, Sümpfen und Seen (vgl. u. a. Rhodin 1993; Cann 1998).
Handel
In Papua-Neuguinea ist Emydura subglobosa wahrscheinlich die am häufigsten anzutreffende Schildkröte. Die Art wird häufig auf lokalen Märkten zum Zwecke des Verzehrs legal gehandelt (Rhodin & Genorupa 2000). Der Export für den internationalen Heimtiermarkt ist geringer. Ein Grund ist in den sehr guten Nachzuchtergebnissen von in Privathand und in Zoologischen Gärten gehaltenen Exemplaren zu sehen. Allein die beachtlichen Nachzuchtergebnisse in Deutschland über mehrere Generationen (einschließlich der DDR und der BRD vor 1990) führten dazu, dass keine Importe mehr erforderlich waren.
Erwerb und Unterbringung
Ich erhielt meine ersten beiden Rotbauch-Spitzkopfschildkröten 1992 und 1993; es handelte sich um Nachzuchttiere aus dem jeweiligen Jahr. Zunächst brachte ich sie in einem Aquarienbecken mit den Maßen 100 x 40 x 40 cm unter. Der Wasserstand betrug etwa 25 cm. Die Ausstattung bestand aus einem Sonnenplatz (Zierkork zwischen Front- und hintere Scheibe geklemmt, beleuchtet mit einem 60-W-Spotstrahler), einer Wurzel und Sand als Bodengrund. Ein Jahr später überführte ich beide Schildkröten in ein größeres Aquaterrarium (Wasserteil 180 x 50 x 50 cm; Wasserstand knapp 50 cm), das mit Landteil, separatem Sonnenplatz und Flachwasserbereichen ausgestattet war. Der Schwimmraum kam den bewegungsfreudigen Tieren sehr zugute. Auf Bodengrund wurde in diesem Becken aus hygienischen und praktischen Gründen verzichtet. Allein schon die für einen zügigen Wasserwechsel im Aquarienboden eingelassene Abflussöffnung mit direkter Verbindung in das Abwassersystem des Hauses machte den Verzicht notwendig. Ansonsten wäre bei jedem Wasserwechsel Bodensubstrat direkt durch den Abfluss verschwunden. Im Laufe ihres Wachstums konnte festgestellt werden, dass es sich bei den erworbenen Tieren um ein Männchen und ein Weibchen handelte. Im Jahr 2000 kam ein weiteres Pärchen Emydura subglobosa hinzu, ebenfalls Nachzuchttiere. Da die Männchen nach Eintritt ihrer Geschlechtsreife mit dem ausgeprägten und ausdauernden Balzspiel begannen, wurden sie von den Weibchen getrennt und nur zu gezielten Paarungsversuchen für jeweils wenige Tage wieder zu ihnen gesetzt. Sieht man einmal von den manchmal aufdringlichen Paarungsversuchen der Männchen ab, sind Rotbauch-Spitzkopfschildkröten sehr umgängliche und friedliche Pfleglinge, die nicht durch aggressives Verhalten auffallen. Entsprechend große Wasserbecken vorausgesetzt, lassen sie sich gut mit anderen Wasserschildkröten mit gleichen oder zumindest ähnlichen Ansprüchen gemeinsam im Aquaterrarium halten. So pflegte ich meine Weibchen ohne Probleme zusammen mit Weibchen von McCords Schlangenhalsschildkröten (Chelodina mccordi) oder auch mit großen Schmuckschildkröten-Weibchen der Gattung Pseudemys. Gegenüber dem Pfleger verhalten sie sich zum einen sehr scheu, betteln aber dagegen bei einer Fütterung ähnlich heftig wie Zier- und Schmuckschildkröten. Lag eines meiner trächtigen Weibchen auf dem Sonnenplatz, flüchtete es bei meinem Erscheinen meist sofort in das Wasser und schwamm in höchster Eile in die hinterste Ecke des Wasserbeckens. Erkannte die Schildkröte, dass ich mit Futter aufwartete, kam es umgehend an die Oberfläche und bettelte.
Der mit feuchtem Sand gefüllte Landteil wurde so eingefügt, dass die Tiere auch darunter Platz zum Schwimmen hatten. Über griffige Korkröhren konnten der Landteil und der mit einem Strahler beleuchtete Sonnenplatz erreicht werden. Das Bodensubstrat des für die Eiablagen wichtigen Landteils wurde in der Brutsaison mit einem Strahler oder einem Heizkabel ausgestattet. Beides ermöglichte das Erreichen unterschiedlicher Temperatur- und Feuchtigkeitsbereiche im Substrat. So konnten sich die legebereiten Weibchen einen ihnen günstig erscheinenden Platz für die Eiablage aussuchen. Der Sonnenplatz, auf dem tagsüber punktuell 40-45 °C herrschten, wurde nur von den trächtigen Weibchen aufgesucht. Die Männchen sowie nicht trächtige Weibchen sonnten sich in der Regel nicht. So konnte allein schon vom Verhalten der Weibchen auf eine bald bevorstehende Eiablage geschlossen werden. Neben dem Spotstrahler diente eine Leuchtstoffröhre mit Tageslichtspektrum der allgemeinen Beleuchtung am ohnehin sehr hellen Standort im Wohnzimmer. Mit Glasplatten (beklebt mit dünnen Korkmatten; zum Befestigen diente handelsübliches Aquariensilikon) wurden Schlafplätze geschaffen, die es den Schildkröten gestatteten, durch bloßes Strecken des Halses die Wasseroberfläche zum Atmen zu erreichen. Das in den Sommermonaten tagsüber bis zu 30 °C warme Wasser (in den anderen Monaten etwa 22-25 °C; die Lufttemperatur lag jeweils mindestens 2 °C darüber) wurde mit einem Außenfilter (Leistung 600 Liter Umwälzung pro Stunde) von Schwebeteilchen befreit. Dennoch war ein kompletter Wasserwechsel etwa alle drei Wochen notwendig.
Ernährung
Die Ernährung meiner Tiere erfolgte abwechslungsreich auf tierischer und pflanzlicher Basis: Gereicht wurden beispielsweise Süßwasserfisch- und Muschelfleisch, Regenwürmer, Gehäuseschnecken (bei Jungtieren angeknackt), Grillen, Heuschrecken, Mehl- und Schwarzkäferlarven, gelegentlich ergänzt mit Weintrauben oder Johannisbeeren. Während der Trächtigkeit wurden die Weibchen nach Möglichkeit täglich gefüttert. Zu dieser Zeit erhielten sie auch zum Ausgleich des erhöhten Kalziumbedarfs Sepia- oder Hühnereischalen ins Wasser gelegt. Ob sie diese zusätzlichen Kalziumquellen nutzen, konnte ich nicht beobachten (die Sepiastückchen und Hühnereischalen wurden zwar gefressen, aber eventuell auch von im selben Becken lebenden anderen Wasserschildkröten-Weibchen). Juvenile Tiere bekamen verschiedenste Wirbellose wie lebende oder gefrostete Rote Zuckmückenlarven, andere Mückenlarven, Wasserflöhe und lebende kleine Regenwürmer. Insbesondere lebende Wirbellose wie die erwähnten Larven bieten neben der nahrhaften Versorgung interessante Beschäftigungsanreize für die Jungtiere.
Paarung und Eiablage
Wurde zu Paarungsversuchen ein Männchen mit einem der beiden Weibchen in einem separaten Wasserbecken vergesellschaftet, konnte das für Emydura subglobosa typische, hochinteressante Balzverhalten beobachtet werden. Das Männchen beroch zunächst die Analregion des Weibchens. Dann schwamm es so, dass die Köpfe ungefähr auf gleicher Höhe waren; die Schnauzenspitzen konnten sich berühren. Das Männchen nickte mit dem Kopf und fächerte mit einem Vorderbein am Kopf des Weibchens; dabei berührte es häufig mit seiner Nase das Gesicht der Partnerin. Dann schwamm das Männchen hinter das Weibchen und ritt auf. Pflegte ich die männlichen Rotbauch-Spitzkopfschildkröten außerhalb der Paarungszeit mit anderen Wasserschildkröten gemeinsam in einem Becken, wurden diese – auch wenn es sich um männliche Exemplare anderer Arten handelte – ebenfalls ausdauernd angebalzt. Um Stress zu vermeiden, sollten ständig balzende Männchen im Zweifelsfall allein gehalten werden.
Das erste Gelege eines jeden Jahres wurde von meinen Weibchen meist im Laufe des April vergraben. Bis zum August folgten 1-2 weitere Ablagen. Ein Gelege umfasste bis zu 15 hartschalige Eier, meist 8-11. Die Eigrößen schwankten zwischen 33 und 40 mm, ihr Durchmesser betrug meist 17-18 mm. Die Eier wurden vorsichtig von anhaftendem Sand befreit, vermessen und in einen Brutapparat nach Budde (1980) überführt. Als Brutsubstrat diente feuchtes, nicht tropfnasses Vermiculit. Bei Bruttemperaturen zwischen 27 und 30 °C schlüpften die kleinen Schildkröten nach etwa 45-50 Tagen ohne Probleme. Hatten die Schlüpflinge noch Dottersäcke am Bauchpanzer (was selten vorkam), waren diese maximal linsengroß, meist aber kleiner.
Aufzucht
Die Aufzucht der im Inkubator geschlüpften Emydura subglobosa gestaltete sich bisher ohne Probleme. In den ersten Tagen wurden sie zu mehreren in kleine Plastikbehälter mit den Maßen 25 x 25 cm (Wasserstand etwa 5 cm) gesetzt. Lediglich ein Stück stark gebogenen Zierkorks und Kunstpflanzen befand sich im Wasser. In diesen Behältern blieben die Jungtiere, bis ein eventueller Dottersackrest komplett eingezogen wurde und die Nabelspalte am Plastron geschlossen war und sicher beobachtet werden konnte, dass sie erste Nahrung aufnahmen, meist lebende oder gefrostete Mückenlarven und Wasserflöhe. Frühestens dann wurden Jungtiere abgegeben oder in vorbereitete Aufzuchtbecken (50 x 30 cm Grundfläche, Wasserstand 25 cm, Wassertemperatur tagsüber ca. 25 °C, nachts etwa 20 °C) gesetzt. Das Futterangebot wurde dann mit weiteren Wirbellosen ergänzt, beispielsweise mit lebenden Keller- und Wasserasseln oder kleinen Regenwürmern. Wenn man den kleinen Jungtieren die Möglichkeit bietet, sich zu verstecken, machen sie nach meiner Erfahrung reichlich Gebrauch davon. Strukturiert man die Aufzuchtbecken so, dass sich die Emydura-Babys im verkrauteten Wasser verbergen können, sind sie trotz ihrer auffallend roten Zeichnung manchmal schwer zu finden. Bei der Aufzucht muss man beachten, dass die Jungtiere ausgesprochen scheu sind und ein hohes Versteckbedürfnis besitzen. Meine Jungtiere fraßen nur, wenn ich außer Sichtweite war – im Gegensatz zu anderen Wasserschildkröten-Jungtieren, die schnell jede Scheu verlieren. Möchte man die juvenilen Rotbauch-Spitzkopfschildkröten mit anderen Arten vergesellschaften, sollte es sich um eher ruhige und nicht hektische Spezies handeln. Sonst kann es für die Emydura subglobosa durchaus zu Stresssituationen kommen. Wird dieser Aspekt beachtet, erhält man dankbare Pfleglinge, die durch ihre Farbenpracht und ihr Verhalten viel Freude bereiten.
Literatur
Budde, H. (1980): Verbesserter Brutbehälter zur Zeitigung von Schildkrötengelegen. – Salamandra, Frankfurt/M., 16(3): 177–180.
Cann, J. (1998): Australian Freshwater Turtles. – John Cann & Beaumont Publishing, Singapur, 292 S.
Rhodin, A.G.J. (1993): Range extension for Emydura subglobosa in Papua New Guinea. – Chel. Cons. Biol., Lunenburg, 1(1): 47–48.
— & V. R. Genorupa (2000): Conservation Status of Freshwater Turtles in Papua New Guinea. – S. 129–136 in Van Dijk, P.P., B.L. Stuart & A.G.J. Rhodin (Hrsg.): Asian Turtle Trade – Proceedings of a Workshop on Conservation and Trade of Freshwater Turtles and Tortoises in Asia, Phnom Penh, Cambodia, 1–4 December 1999. – Chelonian Research Monographs 2, Lunenburg (Chelonian Research Foundation), 164 S.
