Andreas S. Hennig

Haltung und Nachzucht der Peninsula-Schmuckschildkröte, Pseudemys peninsularis Carr, 1938

Haltung

Zuerst erhielt ich ein adultes Männchen mit einer Carapaxlänge von 16,0 cm und einem Gewicht von 500 g sowie ein semiadultes Weibchen mit 12,6 cm und 270 g. Beide Schildkröten wurden getrennt voneinander untergebracht. Wenige Monate später konnte ich zwei adulte Weibchen erwerben; ein Exemplar gab ich einem Schildkrötenfreund, das andere Exemplar kam in meinen Bestand. Bei einem Gewicht von 2.400 g wies es eine Rückenpanzerlänge von 25,5 cm auf.

Während das Männchen und das kleinere Weibchen in Wasserbecken mit jeweils einem Meter Länge, ergänzt um einen Sonnenplatz, untergebracht wurden, setzte ich das adulte Weibchen in ein Aquaterrarium mit 180 cm Länge (Wasserstand 50 cm). Mit Spotstrahlern wurde auf den Sonnenplätzen eine lokale Temperatur von 42-45 °C erreicht. Die Wassertemperatur betrug im Sommerhalbjahr tagsüber 25-27 °C, in den Monaten Juli und August 28-30 °C. Im Herbst erfolgte ein Kürzen der Beleuchtungsdauer und damit einhergehend eine Temperaturabsenkung auf etwa 20-22 °C (Wassertemperatur, die Lufttemperatur lag stets etwas darüber).

Die Ernährung erfolgte überwiegend pflanzlich, meist mit Löwenzahn, Wasserlinsen und nährstoffhaltigen Salatsorten. Wasserpflanzen wie Hornkraut und Wasserpest verfütterte ich ebenfalls, aber meist in den Tagen vor einem Wasserwechsel, bei dem der Außenfilter gereinigt wurde. Tierische Nahrung wie Süßwasserfische, Muschelfleisch, Gehäuseschnecken und Schwarzkäferlarven wurde nicht verschmäht; vorgezogen wurde aber stets Pflanzliches. Die regelmäßige Gabe von größeren Mengen Grünfutter erforderte einen häufigeren Wasserwechsel und kürzere Reinigungsintervalle des Außenfilters, zumal in den Sommermonaten nach Möglichkeit täglich gefüttert wurde.

Nachzucht

Wenige Wochen nach dem Erhalt des adulten Weibchens im zeitigen Frühling setzte ich den Geschlechtspartner dazu. Sofort begann das für diese Art typische Balzspiel: Das Männchen schwamm parallel über dem Weibchen, streckte seine Vorderfüße weit nach vorn, dabei die Fuß-Innenseiten nach außen gedreht, um mit den verlängerten Krallen die Wangen des Weibchens zitternd zu berühren. Dieses Balzspiel vollführte das Männchen sehr ausdauernd. Eine Paarung konnte ich jedoch nicht beobachten.

Dennoch muss es zu einer Kopulation gekommen sein, denn am 11.06.2002 kam es zur Ablage von befruchteten Eiern. Das Weibchen zeigte in den Tagen vor der Eiablage keinerlei Unruhe; auch konnte kein Inspizieren des Landteils beobachtet werden. Vielmehr begann sie am Tag der Ablage, auf dem Sonnenplatz liegend, mit deutlichen Grabebewegungen. Allerdings konnte sie mit ihren Hinterbeinen auf dem harten Boden des Sonnenplatzes (mit Kork beklebte Glasplatte) keine Nistgrube anlegen. So setzte ich sie auf den mit feuchtem Sand gefüllten und einem Heizkabel temperierten Landteil (vgl. Hennig 2004) – ohne Unterbrechung führte das legewillige Tier die Grabebewegungen mit den Hinterbeinen fort. Zwischen 18.15 und 19.45 Uhr vergrub es insgesamt 13 weichschalige Eier.

Am 14.07.2002 wurde ein Gelege mit zwölf Eiern vergraben. Diesmal führte das Weibchen zehn Tage zuvor Probegrabungen durch. Aber erst, als ich das im Bodensubstrat liegende, zwischenzeitlich aber ausgeschaltete Heizkabel wieder in Betrieb nahm, legte sie die Eier ab. Bei diesem Gelege fiel mir deutlich die ungewöhnliche Form der Nistgrube auf: Als wenn sie die Eier in eine lange, schräg in den Boden gerammte Flasche hätte legen müssen, lagen diese aneinandergereiht im Sand. Die Eier waren kleiner als beim Erstgelege. Ich führe die geringeren Größen auf das verminderte Futtervolumen in den davor liegenden Wochen zurück.

Die Eier wurden vorsichtig in feuchtes Vermiculit gelegt. Den Eibehälter stellte ich in einen selbstgebauten Inkubator; ich nutzte die Aquarienmethode (Köhler 1997). Die Luftfeuchtigkeit lag während der Inkubation bei 95 %. Da der Brutapparat nicht wärmegedämmt war, lag die Inkubationstemperatur in den heißen Sommermonaten überwiegend bei 30 °C.

So schlüpfte nach 61 Tagen das erste Jungtier. Bereits eine Woche zuvor hatte dieser Schlüpfling die Eischale geöffnet. Mit einer Inkubationsdauer von 65 Tagen folgte ein zweiter Schlüpfling, ebenfalls mit einem sehr großen Dottersack. Es kam zum vorzeitigen Schlupf, weil die prallen Eier zu viel Feuchtigkeit aufgenommen hatten. Die anderen Eier dieses Geleges wurden in einen auf 25 °C eingestellten Inkubator umgesetzt. So betrug deren Brutdauer 71-78 Tage. Deren Dottersäcke waren nur linsen- bis maximal erbsengroß.

Vom zweiten, ebenfalls bei 30 °C inkubierten Gelege waren drei Eier unbefruchtet, zwei Embryos verstarben in einem frühen Entwicklungsstadium. Die die Eier verlassenden Schildkröten benötigten 61-65 Tage bis zum Schlupf. Ihre Dottersäcke waren mindestens erbsengroß. Zukünftige Gelege werden daher bei niedrigeren bzw. schwankenden Temperaturen bebrütet, um schlupfreife Jungtiere mit kleineren Dottersäcken zu erhalten.

Aufzucht

Ohne Ausnahme gestaltete sich die Aufzucht der Jungtiere problemlos. Ich setzte sie in ein Aquarium mit 15-20 cm tiefem Wasser. Die aus dem Wasser ragenden Wurzeln wurden lokal mit einem Spotstrahler auf 40 °C erwärmt. Diese Möglichkeit zum Sonnen wurde von den Jungtieren aufgesucht, sie hielten sich aber auch sehr gern in den erwärmten Flachwasserbereichen versteckt. Die Wassertemperatur betrug tagsüber etwa 25-27 °C, die der Luft lag stets darüber. Gefüttert wurde täglich mit lebenden oder gefrosteten Wasserflöhen und Mückenlarven. Gelegentlich gereichter Löwenzahn wurde nur sehr zögerlich aufgenommen. Schlüpflinge mit großem Dottersack wurden, ehe sie zu den anderen Jungtieren ins Becken kamen, zunächst für einige Tage in Plastikbehältern mit 3 cm Wasserstand und kleinen Pflanzenranken untergebracht.

Weiterführende Literatur, beispielsweise mit genauen Angaben zu Ei- und Schlüpflingsmaßen sowie -gewichten der o. g. Tiere:

Hennig, A. S. (2007): Haltung und Nachzucht der Peninsular-Schmuckschildkröte, Pseudemys peninsularis Carr, 1938. – Reptilia, Münster, 12 (4): 77-82.

Hennig, A. S. (2003): Haltung und erste Erfahrungen mit der Nachzucht der Peninsula-Schmuckschildkröte, Pseudemys peninsularis Carr, 1938. – Radiata, Haan, 12 (1): 28-34.

Literatur

Hennig, A. S. (2004): Haltung von Wasserschildkröten. – Münster (Natur und Tier – Verlag), 128 S.

Köhler, G. (1997): Inkubation von Reptilieneiern. – Offenbach (herpeton Verlag, 205 S.
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